Zielgerade: die letzten Wochen der Wii

Zielgerade: die letzten Wochen der Wii

Am 30.11. wird Nintendo die Wii ablösen und den Nachfolger, die Wii U, auf den Markt bringen. Konsolenkenner wissen: Es werden keine Top-Titel mehr für die ergraute Wii erscheinen. Ein paar Tanz-, Sport- und Casualspiele wird es sicher auch zukünftig noch geben, doch die großen Studios werden sich auf den Nachfolger konzentrieren.

Zeit für ein kleines Resümee. Die Wii kam 2006 auf den Markt, mit damals gegenüber der Konkurrenz sehr leistungsschwacher Hardware. Der Clou war auch ein anderer: die Bewegungssteuerung, die mittels spezieller Controller ein besonderes Spielgefühl vermittelte.

Ob Nintendo das so geplant hatte, wissen wir nicht, fest steht jedoch: Mit der Wii wurde ein völlig neues Konzept, das sogenannte „Casual Gaming“ erfunden. In einem Satz: die Wii lockte nun auch Zielgruppen an die Konsole, die ansonsten nichts mit Videospielen zu tun hatte. Auf Partys war es plötzlich cool, gemeinsam Tanzspiele vor dem Fernseher zu spielen. Nach Feierabend konnte der Fitness-Workout vor dem Fernseher stattfinden. Sony und Microsoft sahen sich veranlasst, ebenfalls casual-taugliche Steuerungen als Nachrüstsätze zu entwickeln.

Das Feld der alteingesessenen Gamer fühlte sich jedoch von Anfang an von Nintendo vernachlässigt. Schnell hatte die Wii den Ruf als „Konsole für Hausfrauen und Nichtspieler“ weg – große, bombastische Titel – vor allem große Markennahmen wie Call of Duty oder Battlefield – fanden Gamer eher auf der Xbox 360 oder Playstation 3.

Dennoch gab es für die Wii auch große Titel für Core-Gamer. Zwar waren diese gegenüber den Casualspielen in der Unterzahl, dafür aber durchweg sehr hochwertig. Hier sind zum Beispiel einige Titel, die jeder Wii-Besitzer mit Casual-Antipathie gespielt haben sollte. Dazu sei gesagt, dass diese Liste keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Außerdem ist sie absolut subjektiv. Los geht’s…

The Last Story

Die Welt liegt im Sterben, Gegner des Königreichs formieren sich. Ihr schlüpft in die Rolle eines Söldners, der mit seiner Gruppe in die globalen Ereignisse hineingezogen wird. Wer hier Parallelen zum grandiosen Final Fantasy VII sieht, liegt nicht ganz falsch: Designer des Spiels ist der berühmte Hironobu Sakaguchi, der sich bereits für diverse Rollenspielperlen verantwortlich zeigt, die Final Fantasy-Reihe, Lost Odyssey, Kingdom Hearts…

Wie viele Japan-RPGs verknüpft The Last Story die Haupthandlung mit einer sehr persönlichen Geschichte der Protagonisten. Das Spiel fesselt Euch ca. 20-30 Stunden und kitzelt die letzten Ressourcen aus der betagten Konsole. Das quittiert die Wii dann auch durch gelegentliche Ruckler oder matschige Texturen.

Dennoch gehört The Last Story zum Besten, was in den letzten Jahren an RPGs aus Fernost zu uns herüberschwappte.

Xenoblade Chronicles


Ebenfalls ein Japano-RPG, ebenfalls eine epische Story: Vor tausenden von Jahren kämpften die beiden Titanen Bionis und Mechonis miteinander, beide starben dabei. Auf dem Körpern siedelten sich Lebewesen an. Die menschenähnlichen Homs stehen heute im Konflikt mit den Maschinenwesen Mechon. Eine entscheidende Schlacht gewinnen die Homs mit einem mythischen Schwert (Herr der Ringe lässt grüßen).

Der Spieler verkörpert einen Archäologen, der diese Schlacht erforscht. Ein plötzlicher Angriff der Mechon kann mithilfe des gefundenen Schwerts abgewehrt werden und die Handlung beginnt.

Es ist nicht übertrieben, Xenoblade Chronicles als das beste Rollenspiel der letzten Jahre zu bezeichnen – plattformübergreifend. Die Grafik lässt den Spieler erstaunt prüfen, ob er wirklich vor der Wii sitzt, die Geschichte fesselt über die kompletten 40 Stunden Spielzeit. Dazu kommt ein eigens komponierter Soundtrack mit Wiedererkennungswert – dass man nach dem Spielen die Melodien noch pfeifen kann ist ja heute nicht mehr selbstverständlich.

Natürlich gehen Meinungen über Spiele auseinander – müsste ich ein Spiel als das „Beste Spiel der gegenwärtigen Konsolengeneration“ küren – so wäre es wohl Xenoblade Chronicles. Spieler und Fachpresse sehen das ähnlich und so kommt das Spiel bei Metacritic auf stolze 92%.

Donkey Kong Country Returns


Let’s get oldskool! Höllisch schwere Jump’n’Runs verbindet man wohl zumeist mit der Ära vor der Jahrtausendwende. In Zeiten von Schlauch-Shootern und Spielen, die sich quasi selbst  spielen (Nicht wahr, Gears of War 3?) sind sie ein regelrechter Anachronismus.

Das letzte Mal, dass ich ein Gamepad vor Wut gegen die Wand schleudern musste, ist auch entsprechend lange her: Super Star Wars auf dem Super Nintendo veranlasste mich zu diesem Akt der Gewalt. Wäre die WiiMote nicht so teuer und ich nicht inzwischen vernünftiger geworden, könnte Donkey Kong Country Returns mich zur Wiederholung veranlassen.

Das Spiel ist liebevoll gezeichnet, lässt sich gut steuern und ist fair – verlangt aber im Gegenzug vom Spieler gehobenes Können im Plattformer-Bereich und vor allem Durchhaltevermögen! Dafür erhält man einen klasse Zweispielermodus, eingängigen Soundtrack und das Gefühl, nach dem Durchspielen wirklich etwas geschafft zu haben.

Kleines Zugeständnis seitens Nintendo: Damit Gelegenheitsspieler auch eine Chance haben, den Abspann zu erleben, bietet einem das Spiel nach X Fehlversuchen an, den jeweiligen  Level mithilfe eines Assistenten zu spielen…

Zelda: Skyward Sword


Keine Nintendo-Konsole ohne Zelda. Vielen SNES-Spielern ist „A Link to the Past“ , vielen N64-Spielern „Ocarina of Time“ als Highlight ihrer Konsole im Gedächtnis geblieben. „Twilight Princess“ rechne ich mal dem Gamecube zu, so dass erst gegen Ende des Produktzyklus‘ ein echtes Wii-Zelda erschien: Skyward Sword bietet ebenfalls wieder typische Zelda-Rätselkost, große Dungeons, eine liebevolle – wenn auch in Teilen sehr kindgerechte – Story und eine eingängige Musik.

Die im Aquarellstil gezeichnete Grafik ist wirklich einzigartig und gibt dem Spiel eine ganz eigene Note. Ein rundum gelungenes Zelda-Abenteuer, das man wirklich nicht verpassen sollte.

Pandora’s Tower


Die Geliebte des Spielers hat ein Problem: Während des Erntedankfests im Königreich Elyrien fängt sie sich einen Fluch ein, der sie langsam in ein entstelltes Monster verwandelt. Zusammen mit dem Spieler flüchtet die Gezeichnete in das Nachbar-Königreich. Schnell wird klar, dass der Fluch nur beseitigt werden kann, wenn zwölf alte Kriegsbestien in deren Türmen aufgespürt, und deren Fleisch von der Verfluchten verzehrt wird. Klar, dass das kein Kinderspiel ist – zudem kann die laufende Verwandlung immer nur mit Bestienfleisch für einen gewissen Zeitraum gebremst werden.

Mit diesem Zeitlimit im Rücken wagt Ihr Euch in die zwölf Welten, um den jeweiligen Endboss zu besiegen und dessen Fleisch mitzunehmen. Das spielt sich trotz der RPG-Elemente sehr actionlastig. Die düstere Atmosphäre, das erwachsene Setting und die sympathischen Charaktere machen das Spiel zu einer wahren Wii-Perle. Wer sich mit Zeitlimit (auch selten geworden in heutigen Spielen) anfreunden kann, der sollte zugreifen!

Ist das alles?

Ich könnte jetzt noch für Fans des Klempners die wunderbaren Mario-Spiele aufzählen: New Super Mario Bros., Mario Galaxy 1 und 2 sowie das Action-RPG/Jump’n‘Run Super Paper Mario. Der Rail-Shooter Dead Space – Extraction sowie Resident Evil 4: Wii-Edition begeistern Horror-Fans – ebenso das PS2-Remake Project Zero 2. Und wer partout auf der Wii einen Call of Duty-Teil spielen mag, der sollte zu World at War greifen.

Mein Fazit: Die Wii hat Nichtspieler an die Konsole gebracht und einen eigenen Industriezweig begründet. Daran wird man sich erinnern. Aber auch Core-Gamer sollten die Konsole nicht ignorieren. In ihren letzten Tagen bekommt man sie wahrlich als Schnäppchen und die Spiele kosten auch vergleichsweise wenig. Wer bisher an der Wii vorbeigekommen ist, sollte sich überlegen, ob er nicht zuschlägt und noch zwei oder drei wirklich große Games durchspielt. Es lohnt sich!