Lootboxen: Der neue Stern am Abzock-Himmel

Lootboxen: Der neue Stern am Abzock-Himmel

Kaum einem Gamer dürfte der Trubel um die Lootboxen in EAs “Star Wars: Battlefront 2″ entgangen sein. Ein Spiel mehrere Tausend Stunden lang Grinden zu müssen oder hunderte von Euros zu zahlen, um alle Features zu erleben, ist der sprichwörtliche Tropfen gewesen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Weltweit protestierten Gamer – mit zunächst dem Erfolg, dass EA zurückruderte und die Lootboxen aus dem Spiel entfernte. Zunächst zumindest. Man “überdenke derzeit das Konzept”, hieß es sinngemäß. Die Lootboxen sind  also nur aufgeschoben, nicht aufgehoben.

Doch Lootboxen sind mitnichten ein Phänomen des Jahre 2017, und schon gar kein Einzelfall. Kaum ein großer Titel kommt noch ohne zukaufbare Mini-DLCs aus. Wie nahm das ganze seinen Anfang? Im Grunde mit Bethesda. Genauer mit “The Elder Scrolls – Oblivion”. Schon 2007 gab es dort den DLC “Pferderüstung” – der genau genommen auch nichts mehr war als eine goldene Rüstung für Euren Rappen. Spielerischen Mehrwert suchte man vergeblich für seine investierten 2,-€. Wenn man das ganze in der Rückschau sieht, scheint es fast wie ein erstes Experiment, wie weit man damals (und in den Folgejahren) gehen konnte.

Und – sorry Gamer – da sind wir selbst schuld: denn der erste DLC war ein voller Erfolg. Es mussten sicher kaum Kosten wieder eingefahren werden, so brachte di Pferderüstung Bethesda ein schönes Sümmchen ein. In den vergangenen Jahren ist viel passiert. Smartphones wurden erfunden und App Stores revolutionierten den digitalen Vertrieb. “Free to play” kam auf, zunächst für bunte Handyspielchen für Casualgamer, später dann als Vertriebsmodell im klassischen Spielebereich. Immer dabei: Mikrotransaktionen, um sich das Spiel zu vereinfachen, Wartezeit abzukürzen oder auch, um überhaupt bestehen zu können.

Dich warum nicht einfach widerstehen? Weil die Spieleindustrie ihre Hausaufgaben gemacht hat und das ganze Prinzip perfektioniert hat. Psychologisch optimiert sozusagen. Free to Play-Titel gibt es viele, doch erfolgreich sind genau diejenigen Spiele, die uns auf genau dem schmalen Grad zwischen eigenen Erfolgen, der Motivation weiterzukommen und der Bereitschaft, eine scheinbar geringe Zahlung dafür hinzulegen, möglichst lange halten.

Und genau diese Erkenntnisse wandern heute eben auch in die großen Titel, für die wir ja bereits beim Kauf gezahlt haben. Natürlich ist der Kauf von DLCs immer noch freiwillig, doch die Spiele beeinflussen uns von der ersten Sekunde an. Wecken Neugierde, Interesse, lassen uns ein gutes Stück vorankommen, halten unseren Spielfluss dann auf. Geben uns einen Vorgeschmack auf die nächste stärkere Waffe, und bieten uns dann eine Lootbox, an, um Stunden des langwierigen Grindens zu sparen. Abkürzung gegen Geld. Sollte das Spielen an sich nicht eigentlich Spaß bereiten?

Wie schön waren da die Zeiten, als Looten und Leveln noch der eigentliche Antrieb zum Spielen waren.

Was kann der Spieler, was kann die Spielerin also tun? Solche Titel boykottieren? Unrealistisch, sind es doch nahezu alle großen Publisher, die zum Mittel DLC greifen. einfach nichts kaufen und das Spiel so spielen? Möglich, aber auch nicht immer erfüllend. Wer wochenlang auf Einstiegsstufen herumzockt, während die Server schon von top-gelevelten/erkauften Superhelden überquellen, verliert womöglich ebenfalls schnell den Spaß am Spiel.

Zumindest aber sollten wir immer wieder unsere Stimmen in Richtung Publisher erheben, und erst recht wenn es so gut gemacht ist wie hier: